Faháztól, faházra, faházszor, faházba…

Jetzt kommt ein wenig Grammatik… (Aber nur so viel, wieviel du brauchst, um deine Nachricht zu vermitteln – sage ich immer zu meinen Schülern in der Stunde.)

Der Titel von diesem Artikel könnte vielleicht so auf Deutsch übersetzt werden: auf das Holzhaus, von dem Holzhaus, mit dem Holzhaus, über das Holzhaus. Der ungarische Humorist, György Markos erzählt in seiner Parödie mit dem Titel „Abendmärchen“ über seinen russischen Freund, Andrej, der Ungarisch gelernt hat, und gerne auf Kinder aufpasst. Dabei erzählt er auf Ungarisch Märchen für die Kinder, so etwa: „sie gingen weiter und weiter bis sie auf das Holzhaus, von dem Holzhaus, mit dem Holzhaus, über das Holzhaus gelangten. Teilt euch ein, eins davon passt schon!“ Hier kannst du die Parödie auch anschauen, aber dazu sollte man schon sehr gut Ungarisch verstehen, denn es gibt viele Wortspiele im Text.

Markos György: Esti mese

Uns interessiert aber, was das Problem von Andrej ist. Andrej hat mit den Rektionen in der ungarischen Sprache Schwierigkeiten. Also er kann sich nicht entscheiden, welche Endungen die Wörter in einem Satz bekommen. Viele, die Ungarisch lernen, haben die gleichen Schwierigkeiten. Andrej löst galant das Problem: er lässt den Zuhörern die gute Endung auswählen. Und für die Muttersprachler ist es auch nicht störend: was Andrej sagen will, wird verstanden. Aber wir amüsieren uns nicht über das Märchen, sondern über die Fehler von Andrej! Und wenn ein Ausländer aber was Ernsthaftes sagen möchte, sollte er doch die gute Endung benutzen.

Das ist aber nicht nur die Aufgabe des Ausländers, der gerade die ungarische Sprache lernt, sondern auch die Verantwortung des Lehrers. Ich selbst versuche die Schüler schon ganz am Anfang des Sprachenlernens auf diese Aufgabe vorbereiten, aber ohne dass sie zu unsicher in der Kommunikation werden. Deswegen gehe ich sehr schrittweise vor:

  • Die erste Endung, die die Schüler lernen, ist die -t Endung, die für den Kasus Akkusativ in der ungarischen Sprache steht. Da diese Endung zusammen mit der sprachlichen Funktion „um etwas bitten“ „etwas bekommen“ gelehrt wird, lernt sie der Schüler zuerst nur mit einigen Verben.
    Kérek egy kávét. (Ich möchte einen Kaffee.)
    Veszek tejet és kenyeret. (Ich kaufe Milch und Brot.)
    Iszom egy kávét. (Ich trinke einen Kaffee.)
    Eszem egy szendvicset. (Ich esse ein Sandwich.)
    Wenn der Schüler verstanden hat, worum es bei der -t Endung geht, werden meistens zwei Fragen gestellt:
    1. Muss ich diese Endung nur bei diesen Verben / Situationen benutzen? (Nein, leider nicht.)
    2. Wie kann ich wissen, ob ich die -t Endung am Wort brauche?
    Meine Antwort ist immer: Wenn du ein neues Verb lernst, lerne gleiche, ob es die -t Endung im Satz verlangt. Denn das Verb bestimmt, ob du an einem Wort im Satz die -t Endung verwenden musst, oder nicht.
    Ich halte es wichtig, den Schüler darauf aufmerksam zu machen, denn es ist einerseits viel einfacher gleich diese verlangten Endungen (Rektionen) während der Erweiterung des Wortschatzes gleich lernen, als später die Rektionen der Verben extra einbüffeln. Andererseits ist es gut, wenn der Schüler diese Logik der Sprache versteht, dass das Verb alles im Satz bestimmt (wird auch nützlich sein, als er die unbestimmte und bestimmte Verbkonjugation in der ungarischen Sprache lernt). So ist es auch in den indoeuropäischen und slawischen Sprachen, aber als Muttersprachler achtet man nicht darauf.
  • Danach, als wir eine neue Endung lernen, lernen wir gleich einige typische Verben, die diese Endungen verlangen und benutzen sie in der Kommunikation viel. So werden sie in einem typischen Kontext während der Kommunikation eingeübt.
    z.B.:  die Endung -val/-vel (mit) wird unbedingt mit den Verben utazik (reisen), közlekedik (verkehren), találkozik (s. treffen) gelernt.
    (Eine andere Aufgabe ist die Endungen der Ort- und Zeitbestimmung zu lernen (z.B.: -ban/-ben; -ba/-be usw.). Diese haben ganz gute, logische Regel, die meistens die Schüler auch kennen, deshalb schreibe ich hier nicht darüber.)
  • Wenn wir schon ein großes Repertoar von Endungen haben, müssen diese auch mit sg. drill Aufgaben eingeübt werden. Am Anfang der Stunde kann man diese gut üben, z. B. mit Sätzebilden.
    z.B.:
    én, találkozik, János, belváros
    Lösung: Én találkozom Jánossal a belvárosban. (Ich treffe mich mit János in der Innenstadt.)
    Damit die Aufgabe einfacher ist, gebe ich immer eine Liste, die man zu Hause memorisieren kann. Natürlich muss man nicht alles in diesem Moment lernen, denn viele Verben und Endungen haben wir schon früher gut eingeübt!
  • Neben diesen mechanischen Aufgaben ist es aber gut, wenn die Schüler auch beim Sprechen die Endungen gut verwenden, aber wegen dem Nachdenken nicht ihr Sprechen stockt. Deswegen ist es gut, typische Ausdrücke zu lernen. Eine gute Aufgabe ist, dass wir solche Ausdrücke lernen, und dazu einen Dialog mit einem typischen Situation bilden müssen.
    z.B.: Emlékszel m? (Erinnerst du dich an mich?)
  • Wenn wir einen Text lesen und aufarbeiten, mache ich sie immer aufmerksam an die typischen Endungen.
  • Visualisieren wir die Fehler! Wenn jemand so etwas sagt, wie z.B.: „Megyek az orvosba.“ (Ich gehe in den Arzt.) oder „Megyek az orvosra.“ (Ich gehe auf den Arzt.), dann sage ich immer, dass dem Arzt dies sicherlich eine schmerzliche Erfahrung ist. Oft zeichnen wir auch den Fehler. (-:

Meine Erfahrung ist, dass anfangs auch die Schüler die Rektionen für unwichtig halten und nicht lernen, aber auch die Bücher leiten sie nicht schrittweise ein. Beim Deutsch- oder Englischlernen ist es eine wichtige Aufgabe die Präpositionen und Kasi mit den Verben zu lernen. Eigentlich wartet die gleiche Arbeit auf die, die Ungarisch lernen, bloß sie müssen nicht Präpositionen sondern Endungen lernen. Und es ist viel besser diese Arbeit schrittweise anzugehen, als später auf einmal alles lernen zu müssen.

Wenn du noch auf dem Weg von Andrej gehst (auf das Holzhaus, von dem Holzhaus, mit dem Holzhaus), dann bekommst du hier eine Liste, die nicht vollkommen ist, aber die allerwichtigsten Verben und Rektionen enthält: rektion
Aber für Üben musst du schon zur Ungarisch Stunde kommen! (-:

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Eine Antwort

  1. Karola Krautschneider sagt:

    Ich wünschte unsere Lehrerin würde auch so unterrichten!!!!!! Jetzt weiss ich endlich, was „Rektionen“ sind!

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